Vorlesungen der Nobelpreisträger 2010 an der Universität Uppsala

Heute, am 13.12.2010, haben an der Universität Uppsala die diesjährigen Nobelpreisträger in Wirtschaft und Chemie Vorlesungen gehalten. Diese Veranstaltung war für jedermann zugänglich und lockte ein interessiertes Pubilum u.a. bestehend aus Studenten und Professoren an.logo_uni_uppsala

Dass die frisch ernannten Nobelpreisträger im Anschluss an ihre Reden in Stockholm nach Uppsala eingeladen werden, um dort an Universitätsinstitutionen Vorlesungen über ihre Spezialgebiete zu halten, ist eine alte Tradition, genauso alt wie der Nobelpreis selbst.

Die Nobelpreisträger des Jahres 2010 aus Wirtschaft sind Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen und Christopher A. Pissarides, aus Chemie sind es Ei-ichi Negishi und Richard F. Heck. Erstere haben am Ekonomikum der Universität Uppsala ihre Vorlesungen gehalten, letztere am BMC der Universität.

Da ich bei den Vorlesungen aus Wirtschaft anwesend war, werde ich im Folgenden ein wenig darüber berichten.

Alle 3 Nobelpreisträger haben ihre Ideen zu Zusammenhängen zwischen Situationen auf dem Arbeitsmarkt, Friktion(en), externen Einflüssen und der Bestimmung des Lohnniveaus sowie Arbeitslosigkeit (dies ist natürlich nur eine grobe Vereinfachung) geschildert.

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Das klassische “supply & demand” – Modell von Keynes ist eine solide Basis, jedoch für viele Zusammenhänge auf den Märkten unzureichend. Dale Mortensen hat viel über “flows” gesprochen, also Strömen zum und vom Arbeitsmarkt. Arbeitslosigkeit (oder umgedreht Beschäftigung) tendiert laut ihm zu einem Niveau, auf dem sich Zu- und Abgänge mehr oder weniger die Waage halten:

Unemployment (employment) is a stock that tends toward a level that balances inflows and outflows.

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Peter Diamond hat diese Vorstellung mit seiner Theorie ergänzt und ist viel auf “job vacancies” eingegangen bzw. auf job-worker-flows, also Zu- und Abgänge auf dem Arbeitsmarkt und wie sich solche Tendenzen über einen Zeitraum von ca. 20 Jahren entwickelt haben (1990-2009).

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Christopher Pissarides hat zu guter Letzt die Vorträge seiner Kollegen mit einer interessanten Schilderung des Gleichgewichts auf Märkten und wie Arbeitssuche und -entscheidung nicht nur vorrangig von Faktoren wie dem bestmöglichen Gehalt sondern v.a. in Abstimmung auf die eigene Persönlichkeit getroffen wird (“match”) – Geld ist also nicht immer der vorrangige Antriebsfaktor bei der Arbeitssuche und wird durchaus in volkswirtschaftlichen Modellen berücksichtigt. Pissarides ging ebenfalls auf bekannte Namen wie Keynes, die Phillipskurve oder die Beveridge Curve (in seinem Fall auf Großbritannien bezogen, da er an der Londin School of Economics tätig ist) ein. In letzterem spricht er über ein Beveridge Curve equilibrium zwischen job vacancy und employment (also über die Balance zwischen von Firmen ausgeschriebenen Jobangeboten und Beschäftigung und wie diese zusammenhängen).

Link zur Veranstaltungsseite der Universität Uppsala (schwedisch); hier wird in Kürze auch eine Web-TV-Sendung der Vorlesungen verfügbar sein:
Nobelföreläsningar i Uppsala

Übersicht der Nobelpreisträger, die in direktem Zusammenhang mit der Universität Uppsala stehen (englisch); von hier aus kann man auch über die Nobel-Vorlesungen auf Englisch lesen:
Nobel Prizes


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